Normalerweise würde jetzt ein Fastnachtszug nach dem anderen über die Bühne gehen. Fußgruppen wären in tollen, kreativen Kostümen unterwegs. Musikgruppen würden ihre eingeübten Stücke zum Besten geben und die Wagenbauer die Ergebnisse ihrer Arbeit zeigen. Bereits in den Wochen zuvor hätten auf zahlreichen Sitzungen Tanzgruppen ihr Können unter Beweis gestellt und Büttenredner ihre wortgewandten Vorträge gehalten. 


All das deutet an, dass die Arbeit der Karnevalsvereine nicht erst mit dem offiziellen Startschuss der fünften Jahreszeit am 11.11. beginnt, sondern viel viel früher. Es ist eine Arbeit, die sich über das ganze Jahr erstreckt, aber zu diesem Zeitpunkt seinen Höhepunkt erreicht.

Seit Jahren ist es für mich Tradition die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ mit der Familie vor dem Fernseher zu verfolgen. Diese Sitzung gab es auch in diesem Jahr, aber ohne Publikum ist es einfach nicht dasselbe. Dennoch ist es schön, dass man nach Möglichkeiten sucht solche Formate dennoch corona-konform abzuhalten. 

Daher freute es mich auch zu sehen, wie viele der heimischen Vereine sich Gedanken machten und Sitzungen im Online-Stream anboten oder auch Alternativen zu den Umzügen anboten. RadioHanauFM richtete ein Faschingsprogramm aus, das Online-Festival HanauDaheim bot eine Plattform für Faschingskünstler und viele der lokalen Künstler organisierten aus eigenen Stücken Faschingsevents, um nur einige Beispiel zu nennen.

All das sind positive Signale für den corona-geplagten Alltag, die auch zeigen: „Wir lassen uns nicht unterkriegen!“ Man bietet den Menschen mal wieder die Möglichkeit zur Freude und zum herzlichen Lachen und zeigt dabei auch wie bedeutend die Arbeit der Künstler für das Gemüt der Menschen ist.

Das Ende der Fastnachtszeit bedeutet auch immer den Beginn der Fastenzeit. Ich habe diese Zeit in der Vergangenheit immer gerne genutzt, um bewusst auf Dinge zu verzichten. Der Verzicht war dabei immer relativ vielfältig und reichte über Alkohol, Fleisch bis hin zum Verzicht auf Medien und sogenanntem „digital detox“. 

In diesem Jahr bin ich mir noch nicht sicher, in welcher Form ich wieder Verzicht üben möchte, da die vergangenen Monate bereits sehr entbehrungsreich waren und man auf vieles verzichten musste, was man sonst so gerne machte. Ich bin aber nach wie vor davon überzeugt, dass der momentane Verzicht notwendig ist, um das Virus erfolgreich einzudämmen.

Ich wünsche allen ein paar fröhliche, närrische Momente, in welcher Form auch immer. Ich richte aber auch den Blick nach vorne und glaube fest daran, dass wir im kommenden Jahr wieder eine Fastnachtszeit haben werden, wie wir sie kennen.